18. Februar 2021

Finan­zie­rung nach Corona

Sind die Möglich­keiten der Bank­fi­nan­zie­rung und der Förde­rung ausge­schöpft, kann durch den Einsatz weiterer Finan­zie­rungs­in­stru­mente zusätz­liche Liqui­dität gene­riert werden.

Nach Angaben der Kredit­an­stalt für Wieder­aufbau hat sich das inlän­di­sche Förder­vo­lumen im ersten Halb­jahr 2020 durch die KfW-Corona-Förde­rung verdrei­facht. Mitt­ler­weile sind Zusagen aus den Hilfs­pro­grammen mit einem Volumen von rund 46 Mrd. Euro erfolgt, wobei 97 % der Antrag­steller kleine und mitt­lere Unter­nehmen waren.

Stand heute können Mittel für Inves­ti­tionen und Betriebs­mittel unter Einhal­tung der Voraus­set­zungen noch bis zum 30.06.2021 über die Haus­bank bean­tragt werden. Es stehen verschie­dene Programme zur Verfü­gung, bei deren Auswahl der Bank­be­treuer unter­stützen kann. Zudem können auch die Bürg­schafts­banken der jewei­ligen Bundes­länder für Haftungs­frei­stel­lungen mit ins Boot geholt werden. Je nach Situa­tion empfiehlt sich schon im Vorfeld die Einbin­dung eines sach­kun­digen externen Bera­ters. Dann können alle Voraus­set­zungen und Bedin­gungen in Ruhe geprüft und der Antrag profes­sio­nell bei der Bank präsen­tiert werden. Den Bera­tern der Haus­bank kommt eine profes­sio­nelle Vorbe­rei­tung sehr entgegen und für den Unter­nehmer werden die Durch­lauf­zeiten verkürzt.

Sind die Möglich­keiten der Bank­fi­nan­zie­rung und der Förde­rung ausge­schöpft, kann durch den Einsatz weiterer Finan­zie­rungs­in­stru­mente zusätz­liche Liqui­dität gene­riert werden. Und auf dieses Angebot greifen nicht nur in Zeiten der Krise immer mehr mittel­stän­di­sche Unter­nehmen zurück. Denn gerade in den letzten Jahren haben sich die soge­nannten alter­na­tiven Finan­zie­rungs­formen mit zuneh­mender Stärke am Markt posi­tio­niert. Sorgten Leasing und Facto­ring anfangs für neue Chancen der Liqui­di­täts­ver­bes­se­rung, so haben auch Betei­li­gungs­un­ter­nehmen und Mezza­nine-Geber in den letzten Jahren ihre Stra­te­gien an die Markt­nach­frage ange­passt. Fehlende Invest­ment­al­ter­na­tiven beheizen diesen Markt. Weitere Inno­va­tionen wie die Einkaufs­fi­nan­zie­rung und die Möglich­keit des Sale-and-lease-back eröffnen zusätz­liche Sonder­fi­nan­zie­rungs­formen.

In einigen Segmenten hat sich bei den Anbie­tern die Spreu vom Weizen getrennt. Aber in manchen Nischen findet die Auslese der Markt­wirt­schaft noch statt. Mögliche Partner sollten Sie deshalb genau unter die Lupe nehmen. Und nicht alle Produkte passen unter Abwä­gung von Kosten und Nutzen zu jedem Unter­nehmen. Die Lösung muss in herkömm­li­chen Unter­neh­mens­phasen und in Krisen­si­tua­tionen nach­haltig zur Unter­neh­mens­si­tua­tion passen.

Der folgende Leit­faden gibt Ihnen einen grund­sätz­li­chen Einblick in die analogen alter­na­tiven Finan­zie­rungs­mög­lich­keiten. Der Fokus in der Beschrei­bung liegt mehr auf dem prak­ti­schen Einsatz als auf der reinen Wieder­gabe von Ihnen bereits bekannten Defi­ni­tionen. So haben Sie einen Wegweiser für erste Über­le­gungen zur Erwei­te­rung der Finanz­struktur in mittel­stän­di­schen Unter­nehmen. Natür­lich ist das kein Ersatz für das persön­liche Gespräch, verbunden mit der Analyse der konkreten Situa­tion Ihres Unter­neh­mens. Recht­liche und steu­er­liche Aspekte sind nicht berück­sich­tigt. Hierzu lassen Sie sich bitte von Experten Ihres Vertrauens beraten.

Leasing

Beim Leasing über­lässt der Leasing­geber dem Leasing­nehmer das Leasing­ob­jekt gegen Zahlung von Leasing­raten zum Gebrauch. Je nach Vertrag erfolgt die Akti­vie­rung des Objekts beim Leasing­nehmer oder beim Leasing­geber. Es gibt verschie­dene Arten des Leasings, die auf die Erfor­der­nisse des Leasing­neh­mers eingehen. Leasing steht in diesem Text auch als Synonym für Miet­kauf. Im Einzel­fall ist zu prüfen, welche Vari­ante sinn­voll ist.

Die Verein­ba­rung des Leasings erfolgt direkt beim Kauf des Objekts durch Bestell­ein­tritt oder inner­halb eines gewissen Zeit­raums nach Erwerb. Mitt­ler­weile können Sie bei vielen Anbie­tern bis zu drei Monate nach Erwerb/Inbetriebnahme des Assets einen Leasing­ver­trag abschließen.

Wenn Sie regel­mäßig inves­tieren, sollten Sie bei verschie­denen Leasing­ge­sell­schaften Rahmen für Ihre Inves­ti­tionen verein­baren. Diese werden in der Regel für ein Jahr zuge­sagt. Danach werden die aktu­ellen wirt­schaft­li­chen Verhält­nisse neu geprüft. Mit Rahmen­ver­ein­ba­rungen schaffen Sie Finan­zie­rungs­si­cher­heit. Die Kondi­tio­nen­an­ge­bote stehen dann in Bezug auf die Finan­zie­rungs­zu­sage nicht mehr unter Gremi­en­vor­be­halt. So können Sie mit entspre­chender Verbind­lich­keit bei Ihren Preis­ver­hand­lungen mit dem Liefe­ranten auftreten. Durch Verein­ba­rungen bei verschie­denen Anbie­tern halten Sie sich die Möglich­keit des Kondi­tio­nen­ver­gleichs für jedes in Rede stehende Geschäft offen. Das sorgt für einen gesunden Wett­be­werb. Alter­nativ können Sie im Rahmen­ver­trag eine feste Marge bezogen auf einen Refe­renz­zins verhan­deln. Aller­dings wird das Risiko verschie­dener Objekte am Markt unter­schied­lich bewertet und in der Praxis tut man sich mit solchen Margen­ver­ein­ba­rungen beim Leasing eher schwer.

Manche Leasing­ge­sell­schaften schließen bestimmte Objekte wegen der einge­schränkten Dritt­ver­wert­bar­keit für sich aus. Andere Anbieter nehmen diese in ihr Port­folio auf, sodass mitt­ler­weile auch Laden­ein­rich­tungen, Produk­ti­ons­straßen für Bäcke­reien, IT-Hard­ware und Soft­ware, Oldtimer, Sport­wagen und andere Spezia­li­täten bis hin zu Werk­zeugen, Nutzungs­rechten und Patenten unter Beach­tung gewisser Voraus­set­zungen über Leasing finan­ziert werden können.

In den letzten Jahren ist dieser Markt stetig gewachsen. Für 2019 nennt der Leasing­ver­band ein über Leasing und Miet­kauf finan­ziertes Inves­ti­ti­ons­vo­lumen von 74,4 Mrd. Euro mit rund 2 Mio. Neuver­trägen. Auch in der aktu­ellen Pandemie bedingten Situa­tion lohnt es sich, diese Möglich­keit der Finan­zie­rung außer­halb des bestehenden Bank­ob­ligos einzu­binden.

Facto­ring

Beim echten Facto­ring erwirbt der Factor Ihre Forde­rung gegen­über Ihrem Abnehmer und über­nimmt das Ausfall­ri­siko meist voll­ständig. Die Liqui­dität aus der Rech­nung erhalten Sie binnen weniger Werk­tage nach Rech­nungs­stel­lung und Einrei­chung der Rech­nung beim Facto­ring-Unter­nehmen abzüg­lich der vorher verhan­delten Facto­ring-Gebühr. Diese ist davon abhängig, welche weitere Dienst­leis­tung (z. B. Mahn­wesen) der Factor neben dem Forde­rungs­er­werb für Sie über­nimmt. Zusätz­lich zahlen Sie für den Zeit­raum bis zum Zahlungs­ein­gang des offenen Postens einen Zins.

In diesem Segment haben sich viele Gesell­schaften auf bestimmte Bran­chen, Umsatz­größen und Debi­to­ren­struk­turen spezia­li­siert. Stan­dard­ge­schäft bei Handels­kunden macht beinahe jeder Markt­teil­nehmer gerne. Aber Anbieter, die beson­dere Segmente, wie Projekt­ge­schäft, stilles Facto­ring und Spezi­al­bran­chen abde­cken, sind hand­ver­lesen am Markt zu finden. Noch spezi­eller wird es, wenn es in Ihrem Unter­nehmen Konzen­tra­tionen auf bestimmte Debi­toren gibt oder wenn Sie nur Forde­rungen eines bestimmten Ausschnitts von Abneh­mern regel­mäßig veräu­ßern wollen. Sie können das Finan­zie­rungs­in­stru­ment auch nur stich­tags­be­zogen einsetzen, beispiels­weise um mit Kapi­tal­ge­bern verein­barte Coven­ants zu bestimmten Stich­tagen zu opti­mieren. Zudem finden Sie in Restruk­tu­rie­rungs-Situa­tionen seriöse Anbieter, die dieses Geschäfts­mo­dell für sich entdeckt haben.

Wenn der Einsatz von Facto­ring nicht profes­sio­nell vorbe­reitet ist, kommt es im Tages­ge­schäft mit hoher Wahr­schein­lich­keit zu Kompli­ka­tionen. Analy­sieren Sie daher beim Pre-Audit Ihre Debi­toren. Stellen Sie alle wich­tigen Geschäfts­vor­gänge exem­pla­risch vor und simu­lieren Sie den Prozess­ab­lauf im tägli­chen Geschäft. Achten Sie unbe­dingt darauf, dass für jeden Debitor ausrei­chende Limite gezeichnet werden. Sonst kauft man später nicht alle Forde­rungen regresslos an. Auch sollte einer­seits der Gesamt­rahmen für Sie ausrei­chend sein und ande­rer­seits jeder einzelne Debi­to­ren­rahmen sauber geplant werden. Sofern Sie Abnehmer mit Sitz im Ausland haben, stimmen Sie vorher die verschie­denen Juris­dik­tionen mit der Facto­ring-Gesell­schaft ab.

Wichtig ist, dass im Vorfeld alle rele­vanten Themen ausführ­lich geprüft und bespro­chen werden. Nur wenn das vernünftig erle­digt wird und alle Even­tua­li­täten schrift­lich fixiert sind, ist sicher­ge­stellt, dass Facto­ring im laufenden Geschäft so funk­tio­niert, wie es in der Theorie vorge­sehen ist.

Die Facto­ring-Quote (Verhältnis des durch Facto­ring ange­kauften Forde­rungs­vo­lu­mens zum Brut­to­in­lands­pro­dukt) ist in den vergan­genen Jahren auf nun 8 % gestiegen. Auch in Zeiten der Pandemie sind die Facto­ring-Gesell­schaften nach wie vor an neuen Verträgen inter­es­siert. Der im April seitens des Bundes über­nom­mene Schutz­schirm für Waren­kre­dit­ver­si­che­rungen kommt auch diesem Bereich sehr zugute.

Mezza­ni­ne­ka­pital

Mezza­ni­ne­ka­pital ist eine beson­dere Form der eher lang­fristig orien­tierten Kapi­tal­zu­fuhr. Stellen Sie sich die Passiv­seite Ihrer Bilanz als Hoch­haus vor. Dieses Kapital befindet sich, abge­leitet aus dem Italie­ni­schen, im Stock­werk zwischen stimm­be­rech­tigtem Eigen­ka­pital und erst­ran­gigem Fremd­ka­pital. Es beinhaltet Elemente beider Kapi­tal­arten und ist daher ein viel­fältig einsetz­bares Instru­ment. In der Fach­li­te­ratur finden Sie zahl­reiche Ausge­stal­tungs­mög­lich­keiten, auf die ich an dieser Stelle verweise.

Bund und Länder vergeben im Rahmen ihres öffent­li­chen Auftrags beispiels­weise über die jewei­ligen Förder­banken Mezza­ni­ne­ka­pital. Exem­pla­risch sind die NRW.Bank und die Kapi­tal­be­tei­li­gungs­ge­sell­schaft NRW für Nord­rhein-West­falen zu nennen. Beiden Insti­tu­tionen stehen je nach Unter­neh­mens­si­tua­tion, Verwen­dungs­zweck und ange­fragtem Volumen verschie­dene Förder­fonds zur Verfü­gung. Auch private Gesell­schaften inves­tieren mit Mezza­ni­ne­ka­pital in den deut­schen Mittel­stand. In der Regel sind die Einstiegs­vo­lu­mina hier höher als bei den Förder­insti­tuten.

Allen Mezza­nine-Enga­ge­ments geht eine Due Dili­gence voraus. Je nach Mezza­nine-Geber und abhängig vom Volumen vari­iert der Umfang dieser voraus­ge­henden Prüfung. Im Rahmen dieser Due Dili­gence wird Ihr Unter­nehmen durch­leuchtet. Das Audit umfasst eine betriebs­wirt­schaft­liche, steu­er­liche und juris­ti­sche Prüfung. Wenn Sie als Manager optimal vorbe­reitet sind, kann der Vorgang bei klei­neren Unter­nehmen binnen zwei bis drei Wochen erle­digt sein. Bei mitt­leren und größeren Unter­nehmen habe ich schon Prüfungen begleitet, die vier bis sechs Monate oder in Einzel­fällen auch längere Zeit in Anspruch nehmen. Vor Durch­füh­rung der Due Dili­gence sollten Sie bestimmte Punkte vorab mit Ihrem Berater bespre­chen. So können Sie für etwaige Schwach­stellen bereits im Vorfeld Opti­mie­rungs­maß­nahmen entwi­ckeln und einleiten.

Mit der Akquise von Mezza­ni­ne­ka­pital wollen Sie neben der Zufüh­rung von Kapital und Liqui­dität auch eine Verbes­se­rung Ihrer Bilanz­re­la­tionen errei­chen. Wenn der Vertrag passend formu­liert ist, gelingt tatsäch­lich die Stär­kung des wirt­schaft­li­chen Eigen­ka­pi­tals Ihres Unter­neh­mens. Beachten Sie aber unbe­dingt die allge­mein gültigen Richt­li­nien für die Aner­ken­nung von Mezza­ni­ne­ka­pital als wirt­schaft­li­ches Eigen­ka­pital. Zusätz­lich stimmen Sie bitte im Vorfeld ab, welche Voraus­set­zungen für die Akzep­tanz beim Rating Ihrer Haus­bank erfüllt sein müssen. Diese hat jedes Kredit­in­stitut indi­vi­duell für sich defi­niert. Zu diesem Thema empfehle ich unbe­dingt die Einschal­tung einer fach­kun­digen Person. Wichtig sind beispiels­weise die Mindest­lauf­zeit des Darle­hens, der Ausschluss von Möglich­keiten der vorzei­tigen Rück­zah­lung, die Nach­ran­gig­keit in der Insol­venz, die Betei­li­gung am Verlust sowie weitere Indi­ka­toren.

Zu Beginn der Pandemie war man in diesem Segment sehr zurück­hal­tend und es kam zu einem regel­rechten Corona-Einbruch. Mitt­ler­weile haben aber viele Inves­toren Chancen erkannt und die Inves­ti­ti­ons­be­reit­schaft ist wieder aufge­lebt.

Einkaufs­fi­nan­zie­rung

Mit der Einkaufs­fi­nan­zie­rung verlän­gern Sie Ihr Zahlungs­ziel für bezo­gene Handels­ware oder für Ihren Mate­ri­al­ein­kauf. Sie verhan­deln mit und bestellen bei Ihrem Liefe­ranten. Nach erfolgter ordnungs­ge­mäßer Liefe­rung in Ihr Lager bestä­tigen Sie dies an Ihren Einkaufs­fi­nan­zierer. Er bezahlt dann die Rech­nung an Ihren Kreditor inner­halb Ihres verein­barten Zahlungs­ziels. Wenn die Liefer­be­stä­ti­gung recht­zeitig erfolgt und die Zahlung binnen Skon­to­frist möglich ist, wird Ihre Rech­nung sogar mit Skon­to­zie­hung begli­chen. Das mindert Ihre Kosten und sorgt nebenbei für ein besseres Stan­ding bei Ihrem Liefe­ranten. Sie erhalten die neue Rech­nung des Einkaufs­fi­nan­zie­rers und bezahlen diese nach Ihrem Ermessen – spätes­tens jedoch inner­halb von 120 Tagen. Je länger Sie das neue Zahlungs­ziel ausnutzen, desto kosten­in­ten­siver wird das Instru­ment.

Der Einkaufs­fi­nan­zier stellt bei seiner Kredit­ent­schei­dung neben der eigenen Analyse Ihrer wirt­schaft­li­chen Verhält­nisse auf das Kredit­limit ab, das seine Waren­kre­dit­ver­si­che­rung auf Ihr Unter­nehmen zeichnet. Ihre regel­mä­ßige kontrol­lierte stra­te­gi­sche Kommu­ni­ka­tion mit Auskunfteien und Waren­kre­dit­ver­si­che­rern ist jetzt umso wich­tiger. Das Thema sollten Sie aber auch sonst nicht aus den Augen verlieren.

In Ihrer Bilanz und in der unter­jäh­rigen betriebs­wirt­schaft­li­chen Auswer­tung erscheinen Ihre Verbind­lich­keiten gegen­über dem Einkaufs-Finan­zierer im Regel­fall als Verbind­lich­keit aus Liefe­rungen und Leis­tungen. Im Gegen­satz zur Inan­spruch­nahme des Konto­kor­rent­kre­dits werden diese im Rating der Banken nicht als Finanz­ver­bind­lich­keiten einge­ordnet. So kann der Einsatz einer Einkaufs­fi­nan­zie­rung auch zur Verbes­se­rung von Bilanz­kenn­zahlen und Rating­note beitragen.

Im Vergleich zu den vorste­henden Modellen gehört die Einkaufs­fi­nan­zie­rung zu den jüngeren alter­na­tiven Finan­zie­rungs­op­tionen. In den letzten Jahren haben in diesem Bereich auch wieder Anbieter aus Boni­täts­gründen den Markt verlassen. Meine Empfeh­lung lautet daher unbe­dingt: Auf Profes­sio­na­lität und Bonität des Anbie­ters achten! Außerdem rate ich immer dazu, diese gegen­über klas­si­schen Finan­zie­rungs­mo­dellen kosten­träch­ti­gere Vari­ante als Beimi­schung und nicht als Finan­zie­rungs­schwer­punkt einzu­setzen. Es macht Sinn, die Einkaufs­fi­nan­zie­rung zu nutzen, wenn gleich­zeitig an der Struk­tu­rie­rung der Gesamt­fi­nan­zie­rung gear­beitet wird.

Sale-and-lease-back

Im Gegen­satz zum herkömm­li­chen Leasing von neuen Objekten verkaufen Sie beim Sale-and-lease-back Anla­ge­güter aus Ihrem Bestand an eine Spezial-Leasing­ge­sell­schaft. Diese leasen oder mieten Sie dann zurück. Durch die Veräu­ße­rung gene­rieren Sie in einer Summe Liqui­dität für Anla­ge­ver­mögen, das unter Umständen steu­er­lich bereits teil­weise oder voll­ständig abge­schrieben ist. Bespre­chen Sie deshalb vorher die mögli­chen Auswir­kungen der Hebung stiller Reserven mit Ihrem Steuer­berater. Durch Raten in der Zukunft tilgen Sie den Betrag und die Kosten.

Größere Anbieter erwerben ausschließ­lich Anla­ge­güter im Paket, um ihre Risi­ko­struktur aus den Assets zu diver­si­fi­zieren. Bei klei­neren Anbie­tern können im Einzel­fall auch ausge­wählte Teile des Anla­ge­ver­mö­gens refi­nan­ziert werden. Vor jedem Deal werden die Assets zu Verkehrs- und Liqui­da­ti­ons­er­lösen bewertet. Der zugrunde liegende Wert wird mit einem Abschlag versehen. In der Regel hält man eine Monats­rate als Kaution ein. Der Rest­be­trag wird ausge­zahlt. Sofern die erwor­benen Objekte als Sicher­heit bei Dritten haften, müssen etwaige Restva­luten voll­ständig abge­löst werden.

Das Instru­ment eignet sich hervor­ra­gend auch für Unter­nehmen, die sich in einer wirt­schaft­lich ange­spannten oder fest­ge­fah­renen Situa­tion befinden. Durch die markt­ge­rechte Bewer­tung des Assets kann gegen­über einer klas­si­schen Bank­fi­nan­zie­rung ein höherer Liqui­di­täts­ef­fekt erzielt werden. Für eine erste Indi­ka­tion benö­tigen Sie den Anla­gen­spiegel aus Ihrer Bilanz, ergänzt um die tech­ni­schen Daten zu den einzelnen Wirt­schafts­gü­tern.

Auch bei Nach­fol­ge­re­ge­lungen inner­halb der Familie oder bei Firmen­über­gaben im Rahmen eines MBO oder MBI mit Dritten kann Sale-and-lease-back sehr gut in den Finan­zie­rungsmix einge­bunden werden.

Fazit

Gerade in aktu­ellen Zeiten eignen sich die genannten Finan­zie­rungs­al­ter­na­tiven grund­sätz­lich als Einzel­bau­stein oder in Kombi­na­tion zur Ergän­zung der Finan­zie­rungs­struktur bei mittel­stän­di­schen Unter­nehmen. Oftmals können Sie mit Ihrem Einsatz eine posi­tive Hebel­wir­kung erzielen, um weitere Opti­mie­rungs­maß­nahmen in die Wege zu leiten.

Im Einzel­fall sind stets die jewei­ligen Chancen und Risiken verbunden mit einer Kosten- und Nutzen-Analyse zu iden­ti­fi­zieren und abzu­wägen.

Nutzen Sie ergän­zend zu Ihren Über­le­gungen die Exper­tise sach­kun­diger Dritter, die Ihnen mit Praxis­er­fah­rung und lang­jäh­rigen Netz­werk­part­nern zur Verfü­gung stehen.


AUTOR

Carsten Rüger

Carsten Rüger

Diplo­mierter Bank­be­triebs­wirt und Finan­cial Consul­tant

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