1. März 2022

Inno­va­tion: Die Trieb­feder des Fort­schritts

Inno­va­tion ist einer der wich­tigsten Treiber des Wirt­schafts­le­bens und führt zu einem perma­nenten tech­ni­schen, wirt­schaft­li­chen und sozialen Wandel.

Kaum ein Begriff wird im tägli­chen Leben so häufig verwendet wie „Inno­va­tion“. In keinem Lage­be­richt eines Unter­neh­mens und in keinem Programm einer poli­ti­schen Partei darf das Wort heut­zu­tage fehlen. Doch die inzwi­schen fast infla­tio­näre Verwen­dung von Inno­va­tion hat dazu geführt, dass vielen Menschen nicht mehr klar ist, was darunter im eigent­li­chen Sinne zu verstehen ist. Bisweilen scheint fast jede Person ihre eigene Defi­ni­tion des Begriffs zu haben.

Wie wird Inno­va­tion defi­niert?

Die so viel­sei­tige Verwen­dung von „Inno­va­tion“ ist darauf zurück­zu­führen, dass es keine allge­mein­gül­tige Defi­ni­tion des Begriffs gibt. Die sprach­liche Wurzel des Wortes liegt im latei­ni­schen Verb „inno­vare“, auf Deutsch „erneuern“. Das latei­ni­sche „inno­vatio“ lässt sich somit am besten mit „Neue­rung“ oder „Erneue­rung“ über­setzen – zuge­ge­be­ner­maßen ein sehr breit anwend­barer Begriff.

Das heutige Verständnis von Inno­va­tion im Wirt­schafts­leben wurde entschei­dend von dem berühmten öster­rei­chi­schen Ökonom Joseph Schum­peter geprägt. Für Schum­peter ist eine Inno­va­tion „die erfolg­reiche Durch­set­zung einer tech­ni­schen oder orga­ni­sa­to­ri­schen Neue­rung, nicht alleine ihre Erfin­dung“. Damit brachte Schum­peter eine zweite Inno­va­ti­ons­kom­po­nente ins Spiel. Neben der reinen Erfin­dung einer Idee muss diese auch in einem Unter­nehmen bzw. am Markt einge­führt, genutzt und ange­wandt werden.

Die heutige Bedeu­tung von Inno­va­tionen in der Wirt­schaft liegt maßgeb­lich in den Arbeiten von Schum­peter begründet. Für ihn sind Inno­va­tionen zentral für die wirt­schaft­liche Entwick­lung von Volks­wirt­schaften. Schum­peter prägte in diesem Zusam­men­hang den heut­zu­tage so häufig gebrauchten Begriff der „schöp­fe­ri­schen Zerstö­rung“. Durch Inno­va­tion entsteht ein perma­nenter Zyklus aus tech­ni­schem, wirt­schaft­li­chem und sozialem Wandel.

Welche Inno­va­ti­ons­ka­te­go­rien gibt es?

In der Wirt­schafts­praxis werden Inno­va­tionen oftmals in die drei folgenden Kate­go­rien einge­teilt:

  • Produkt­in­no­va­tion: Dabei handelt es sich um die Verbes­se­rung von Wirt­schafts­gü­tern. Sehr häufig stehen Produkt­in­no­va­tionen im Zusam­men­hang mit tech­ni­schen Neue­rungen, wie zum Beispiel der Erfin­dung der Digi­tal­ka­mera oder der Entwick­lung des Smart­phones.
  • Prozes­s­in­no­va­tion: In diese Kate­gorie fallen Verbes­se­rungen von Geschäfts­pro­zessen. Sie dienen im Regel­fall dazu, die Produk­ti­vität zu erhöhen und Kosten zu senken. Ein typi­sches Beispiel für Prozes­s­in­no­va­tion ist die Einfüh­rung des Fließ­bands in Fabriken.
  • Geschäfts­mo­del­lin­no­va­tion: Die Geschäfts­mo­del­lin­no­va­tion ist die für Unter­nehmen weit­rei­chendste Form der Inno­va­tion. Bei dieser Inno­va­ti­ons­ka­te­gorie geht es um eine voll­stän­dige Erneue­rung des Geschäfts­mo­dells eines Unter­neh­mens, einschließ­lich des kompletten Wandels der Wert­schöp­fungs­ar­chi­tektur. Ein berühmtes Beispiel für Geschäfts­mo­del­lin­no­va­tion ist der Wandel von IBM vom Compu­ter­her­steller zum IT-Dienst­leister.
Innovation: Die Triebfeder des Fortschritts

Was ist der Unter­schied zwischen inkre­men­teller und disrup­tiver Inno­va­tion?

Wenn im Wirt­schafts­leben von Inno­va­tion die Rede ist, wird häufig zwischen einer inkre­men­tellen und einer disrup­tiven Art unter­schieden. Unter inkre­men­teller Inno­va­tion wird eine schritt­weise erfol­gende, aufein­ander aufbau­ende Art der Inno­va­tion verstanden. Auf Grund­lage bereits bestehender Produkte, Leis­tungen oder Verfahren werden Neue­rungen einge­führt, die mit einer oder mehreren Verbes­se­rungen einher­gehen. Dabei kann es sich beispiels­weise um einen höheren Kunden­nutzen, mehr Funk­tio­na­li­täten oder nied­ri­gere Kosten handeln.

Eine disrup­tive Inno­va­tion stellt hingegen eine radi­kale Neue­rung dar, die zu einer Zerstö­rung eines Gleich­ge­wichts oder eines Systems führt. Bei einer disrup­tiven Inno­va­tion hat eine neue, bahn­bre­chende Idee drama­ti­sche Folgen für bestehende Produkte oder Märkte, sodass diese im Regel­fall massiv in ihrer Exis­tenz gefährdet sind.

Ein gutes Beispiel ist der Taxi-Markt: Über viele Jahr­zehnte haben Taxi­un­ter­nehmen inkre­men­telle Neue­rung einge­führt, um ihre Fahr­gäste schneller und bequemer ans Ziel zu bringen. So wurden Taxi­zen­tralen gegründet und neue Buchungs­sys­teme über Apps einge­führt. Doch dann kam plötz­lich ein Unter­nehmen namens Uber mit der Geschäfts­idee, dass jeder Mensch mit seinem eigenen Fahr­zeug ein Taxi­un­ter­nehmer sein kann. Ein Lehr­bei­spiel einer disrup­tiven Inno­va­tion, die zu einer drama­ti­schen Verän­de­rung eines bestehenden Marktes führt.

Eines der histo­risch lehr­reichsten Beispiele für disrup­tive Inno­va­tion ist der Foto­ka­mera-Markt. Anfang des 21. Jahr­hun­derts wurden Digi­tal­ka­meras in tech­ni­scher und preis­li­cher Hinsicht massen­taug­lich und führten zu einem radi­kalen Wandel des Kame­ra­marktes. Die bis dahin gebräuch­li­chen Roll­filme wurden mit einem Schlag obsolet und Bran­chen­primus Kodak, der die Entwick­lung der Digi­tal­ka­mera verschlief, musste 2012 nach einer 120-jährigen Unter­neh­mens­ge­schichte Insol­venz anmelden. Doch der Erfolg der Digi­tal­ka­meras währte nicht lange. Mit der einige Jahre später erfolgten Markt­ein­füh­rung von Smart­phones mit hoch­qua­li­ta­tiven Kameras sind mögli­cher­weise auch die Tage der Digi­tal­ka­mera gezählt.

Auf welche Art von Inno­va­tion sollten Unter­nehmen setzen?

Die zuneh­mende Digi­ta­li­sie­rung aller Lebens­be­reiche hat dazu geführt, dass fast alle Bran­chen der Wirt­schaft in zuneh­mendem Maße von disrup­tivem Wandel erfasst werden. Viele Unter­nehmer stellen sich vor diesem Hinter­grund zurecht die Frage, auf welche Art von Inno­va­tion sie nun setzen sollen, um das lang­fris­tige Über­leben ihrer Firma zu sichern.

Eine Pauschal­ant­wort auf diese Frage exis­tiert leider nicht. Zu unter­schied­lich sind die Voraus­set­zungen in den verschie­denen Bran­chen.

Zudem haben sowohl die inkre­men­telle als auch die disrup­tive Inno­va­tion ihre Vor- und Nach­teile. Obwohl in den Medien häufig der Eindruck entsteht, dass die disrup­tive Inno­va­tion klar im Vorteil sei, muss nicht jeder disrup­tive Wandel auch zum Erfolg führen.

Grund­sätz­lich gilt, dass etablierte Unter­nehmen niemals alles auf eine Karte setzen sollten. Der Vorteil der inkre­men­tellen Inno­va­tion ist, dass auf bereits bewährten Produkten, Leis­tungen und Verfahren Verbes­se­rungen einge­führt werden können, die in der Regel auch vom Markt ange­nommen werden. Eine disrup­tive Verän­de­rung birgt immer das Risiko in sich, dass sie – aus welchen Gründen auch immer – vom Markt nicht ange­nommen wird. Noch ist z. B. nicht gesi­chert, ob sich das Geschäfts­modell von Uber dauer­haft etablieren wird.

Große Wider­stände vonseiten der Regu­lie­rungs­be­hörden könnten Uber lang­fristig einen Strich durch die Rech­nung machen. Zudem sind disrup­tive Inno­va­tionen im Unter­schied zu inkre­men­tellen meist mit sehr hohen Kosten, sowohl in der Entwick­lung als auch in der Vermark­tung, verbunden. Unter­nehmen müssen bei disrup­tiven Neue­rungen immer eine recht schwie­rige Kosten-Nutzen-Abwä­gung durch­führen. Beson­ders für klei­nere Unter­nehmen kann die Verfol­gung einer disrup­tiven Inno­va­tion zu einer sehr großen wirt­schaft­li­chen Heraus­for­de­rung werden.

Für die meisten Unter­nehmen ist somit die beste Art und Weise, mit beiden Formen der Inno­va­tion umzu­gehen, ein Gleich­ge­wicht zwischen ihnen zu finden. Inkre­men­telle Inno­va­tion sollte grund­sätz­lich ein fixer Bestand­teil der Unter­nehmens­führung jeder Firma sein. Darüber hinaus sollten Unter­nehmen immer den Hori­zont im Blick haben, um die drohende Gefahr disrup­tiver Inno­va­tionen recht­zeitig zu erkennen. Kodak und viele weitere Unter­nehmen dienen als mahnende Beispiele.

Die gute Nach­richt ist jedoch, dass sich disrup­tiver Wandel meist nicht von heute auf morgen ereignet. Die Digi­tal­ka­mera wurde bereits Mitte der 1970er-Jahre entwi­ckelt (ironi­scher­weise von einem Kodak-Mitar­beiter). Bis zu ihrer Massen­ver­mark­tung vergingen mehr als 20 Jahre. Und auch heute noch zeichnet sich die tech­ni­sche Entwick­lung disrup­tiver Inno­va­tionen meist über viele Jahre ab. Auch klei­neren Unter­nehmen bleibt damit in der Regel genug Zeit, recht­zeitig auf radi­kalen Wandel zu reagieren.

Warum ist Inno­va­tion so wichtig für die Wirt­schaft?

Inno­va­tion ist nicht nur für einzelne Unter­nehmen von Bedeu­tung, um ihre Wett­be­werbs­fä­hig­keit zu verbes­sern und ihr lang­fris­tiges Über­leben zu sichern, sondern auch für ganze Volks­wirt­schaften. Inno­va­tionen sind ein wesent­li­cher Treiber von Wirt­schafts­wachstum. Sie führen zu einer höheren Produk­ti­vität und sorgen somit dafür, dass mit glei­chem Aufwand mehr Güter und Leis­tungen produ­ziert werden können. Damit steigt nicht nur das Angebot an Waren und Dienst­leis­tungen, auch die Preise sinken mit der Zeit.

Für die Menschen einer Volks­wirt­schaft hat Inno­va­tion somit gleich mehrere posi­tive Wirkungen. Durch das Produk­ti­vi­täts­wachstum erhalten sie als Arbeitnehmer*innen in der Regel höhere Gehälter. Noch dazu können sie sich aufgrund sinkender Preise mehr Waren und Dienst­leis­tungen leisten. Gleich­zeitig steigen die Gewinne der Unter­nehmen, die diese wiederum reinves­tieren und/oder für die Einstel­lung zusätz­li­cher Mitar­beiter verwenden können. Inno­va­tion setzt somit einen posi­tiven volks­wirt­schaft­li­chen Kreis-lauf aus höherer Produk­ti­vität, höheren Gewinnen, höheren Gehäl­tern und sinkenden Preisen in Gang.

Innovation: Die Triebfeder des Fortschritts

Fazit: Das Rad der Inno­va­tion dreht sich schneller

Alter­na­tive Antriebe und selbst­fah­rende Autos, Drohnen und Flug-Taxis, mitden­kende Roboter und künst­liche Intel­li­genz so weit das Auge reicht – die Geschwin­dig­keit von Inno­va­tion scheint sich ständig zu erhöhen. Stetig wach­sende tech­ni­sche Möglich­keiten führen dazu, dass sich das Rad der Inno­va­tion tatsäch­lich von Jahr zu Jahr schneller dreht. Wohin dieser rasante Wandel in einzelnen Bran­chen führt, ist heute viel­fach noch gar nicht abzu­sehen. Unter­nehmen müssen sich vor diesem Hinter­grund jedoch wesent­lich stärker mit dem Thema Inno­va­tion ausein­an­der­setzen als in der Vergan­gen­heit. Selbst Firmen aus Bran­chen, in denen die Inno­va­ti­ons­ge­schwin­dig­keit eher gering ist, werden zuneh­mend von Neue­rungen erfasst. Wer Inno­va­tion nicht im Blick hat, wird schnell von ihr über­rollt.


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