14. Oktober 2021

Heute unmög­lich, morgen Stan­dard? Rela­tive Utopien im Wandel der Zeit

Flie­gende Autos und eine Kolonie auf dem Mars. Klingt utopisch? Das stimmt. Aber ein Computer, der Sprach­be­fehle versteht, gehört heute zum Alltag. Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts war das jedoch ebenso unvor­stellbar wie Tele­fo­nieren mit 3-D-Holo­grammen heute. Zukunfts­träume sind daher immer relativ zum tech­ni­schen oder gesell­schaft­li­chen Fort­schritt. Was bedeutet das für die Zukunft – welche Utopien könnten sich erfüllen?

Was ist eine Utopie?

Der Begriff der Utopie stammt aus dem Grie­chi­schen und bedeutet in etwa „ohne Ort“. Verein­facht handelt es sich um einen (Zukunfts-)Traum – etwas, das so nicht exis­tiert. Meist wird die Utopie poli­tisch betrachtet und steht für ein Ideal. Die klas­sen­lose Gesell­schaft ist die Utopie der Sozia­listen. Ein sich völlig selbst­ständig regu­lie­render Markt eine Utopie der Libe­ralen. Utopien gibt es aber ebenso in vielen anderen Berei­chen des Denkens: Technik, Medizin, Natur­wis­sen­schaften und Co.

Alles ist relativ – auch die Utopie

Was als „unmög­lich“ gilt, ist fast immer eine Frage der Umstände. Gesell­schaft­lich haben sich viele Utopien bereits verwirk­licht. Die Fran­zö­si­sche Revo­lu­tion forderte Gleich­heit für alle – heute ist dieser Grund­satz in der Verfas­sung veran­kert. Die Arbei­ter­klasse im 19. Jahr­hun­dert träumte von einer Sozi­al­ver­si­che­rung – mitt­ler­weile eine Selbst­ver­ständ­lich­keit in Deutsch­land. Glei­ches gilt für einen der ältesten Mensch­heits­träume: das Fliegen. Was würden wohl die Spötter der ersten Flug­ge­räte beim Anblick einer 747 sagen? Die Beispiele zeigen: Eine Utopie ist immer relativ.

Utopien als Wegbe­reiter der Welt von morgen

Welche Entwick­lungen gibt es in den nächsten Jahr­zehnten? Utopien spielen hierfür eine zentrale Rolle. Sie beinhalten Wünsche und Hoff­nungen und sind ein Motor des Fort­schritts. Gäbe es keine Träume von einer besseren Welt, wäre die Mensch­heit auf dem Niveau der Stein­zeit stehen geblieben. Erst der Wunsch, die Lebens­um­stände zu verbes­sern und das Dasein zu erleich­tern, spornt Menschen und die Wissen­schaft an.

Zukunfts­for­scher und Science-Fiction

Wie sieht die Welt von morgen aus? Das versu­chen viele zu ergründen. Manche fanta­sieren in Büchern und Filmen über die Möglich­keiten der Zukunft. Daraus hat sich ein ganzes Genre entwi­ckelt: die Science-Fiction. Raum­schiff Enter­prise und George Orwells „1984“ sind promi­nente Beispiele. Übri­gens auch dafür, dass viele Utopien Wirk­lich­keit werden: Verglei­chen Sie doch einmal das Klapp­handy mit dem Commu­ni­cator von Captain Kirk.

Mitt­ler­weile ist Science-Fiction nicht nur das Betä­ti­gungs­feld von krea­tiven Autoren. Auch die echte Wissen­schaft setzt sich mit der Zukunft ausein­ander. Zukunfts­for­scher versu­chen zu prognos­ti­zieren, wie sich die Welt entwi­ckelt. Das umfasst tech­ni­sche Aspekte ebenso wie gesell­schaft­liche.

Realis­ti­sche Utopien von heute

Das führt zu der Frage: Welche Zukunfts­träume von heute könnten Realität werden? Mitt­ler­weile sind Menschen den Fort­schritt gewöhnt und es fällt leichter, darüber nach­zu­denken. Zudem sind Forscher und Entwickler heute weiter, als viele wissen. Sie arbeiten ganz real an der Welt der Zukunft. Im Folgenden gibt es einen Einblick in die Labore von Google, Daimler und Co. Die dortigen Ideen zeigen, wie es in einigen Jahr­zehnten auf der Erde aussehen könnte.

Der Korrekt­heit zuliebe: Realis­ti­sche Utopie ist ein Schein­wi­der­spruch, denn eigent­lich beschreibt die Utopie etwas Unreales. Die Über­le­gungen zur rela­tiven Utopie zeigen aber: Die Forschung macht vieles möglich.

Schon keine Utopie mehr: auto­nomes Fahren

Einfach zurück­lehnen und sich fahren lassen. Für Auto­fahrer ist das ein Traum – noch. Mit dem 5-G-Netz ist der nächste Meilen­stein auf dem Weg zu selbst­fah­renden Autos genommen. Auf Test­stre­cken sind Fahr­zeuge ohne mensch­li­chen Eingriff sicher unter­wegs. Das heißt: Das auto­nome Fahren ist keine Frage der Möglich­keiten, sondern nur noch eine Frage der Zeit. Inso­fern ist es keine echte Utopie, sondern eine Realität, die gerade im Begriff ist, sich zu mani­fes­tieren.

Das Beispiel zeigt sehr gut, dass die Reali­sie­rung einer Utopie Heraus­for­de­rungen mit sich bringt. Auto­nomes Fahren schei­terte lange Jahre nicht an der Compu­ter­technik, sondern an der Infra­struktur: Schnelle Daten­ver­bin­dungen sind dafür unver­zichtbar. Ebenso sind Versi­che­rungen und Politik heraus­ge­for­dert, Rahmen­be­din­gungen für das auto­nome Fahren zu schaffen.

Medi­zi­ni­sches Wunder: Organe aus dem 3-D-Drucker

Im Bereich der Medizin gibt es tradi­tio­nell viele Zukunfts­hoff­nungen. Ein spek­ta­ku­läres Projekt, an dem welt­weit mehrere Gruppen forschen, sind künst­liche Organe. Medi­ziner verspre­chen sich davon, zukünftig viele Krank­heiten einfa­cher behan­deln und sogar heilen zu können. Einer der Vorteile: Mit der passenden Technik wäre es möglich, „körper­ei­gene“ Organe zu klonen. Die würden nicht abge­stoßen und müssten nicht gespendet werden.

CO2-neutrales Leben

Der Klima­wandel ist als Thema in vielen Berei­chen des Lebens präsent. Wie lässt sich die Erder­wär­mung stoppen? Eine Frage, die besser zeitnah beant­wortet werden sollte. Der Traum in dieser Hinsicht: das Leben komplett nach­haltig zu gestalten. Das bedeutet, keine Ressourcen zu verbrau­chen und keine klima­schäd­li­chen Emis­sionen frei­zu­setzen.

Aktuell ist die Mensch­heit davon noch weit entfernt. Aller­dings sind erste Schritte auf dem Weg in die klima­freund­liche Zukunft bereits sichtbar. Zwei Beispiele: Solar­an­lagen und E-Autos. Auch in anderen Berei­chen gehen die Entwick­lungen voran. Deut­lich utopi­scher ist zum Beispiel die Idee eines solaren Segel­flie­gers im Jumbojet-Format. Doch selbst hierzu gibt es bereits erste Proto­typen.

Fleisch aus dem Reagenz­glas

Dass Utopien alle Lebens­be­reiche betreffen, zeigt das nächste Beispiel. Das klas­si­sche Steak kommt vom Rind, klar. Aber kommt es in Zukunft viel­leicht aus dem Labor? Wissen­schaftler arbeiten an einer Methode, Fleisch ohne Tiere und ohne CO2-Emis­sionen zu produ­zieren. Reale Ergeb­nisse waren bereits reif für den Teller: 2013 gab es in den Nieder­landen den ersten Burger mit In-vitro-Fleisch.

Das Urteil der Tester: ein biss­chen trocken, aber sonst in Ordnung. Einziges Manko seiner­zeit war der Preis. Ein Burger kostete in etwa so viel wie ein Einfa­mi­li­en­haus. Aller­dings gab es auch Zeiten, in denen ein 1-MB-Spei­cher so groß war wie ein Auto.

Menschen aus dem Labor

Apropos Labor: Ein weiteres großes Themen­feld für die Zukunft ist Gentechnik. Von der Entschlüs­se­lung der DNA bis zum ersten geklonten Schaf vergingen nur etwa 50 Jahre. Kaum vorstellbar, was in weiteren 50 Jahren möglich sein wird.

Aller­dings sind Entwick­lungen in diesem Bereich häufig umstritten. Der geklonte Mensch ist daher ein Beispiel für eine mora­lisch frag­wür­dige Utopie. Tech­nisch ließe sich ein solches Projekt nach Über­zeu­gung vieler Experten mitt­ler­weile umsetzen.

Eine notwen­dige Utopie: die Stadt der Zukunft

Sie möchten, dass Ihre Ideen verwirk­licht werden? Dann ist die Stadt­pla­nung ein ideales Betä­ti­gungs­feld. Manche Utopien sind nicht nur Träu­merei, sondern eine Notwen­dig­keit. Zum Beispiel zeigt sich der Trend zu Mega­citys.

Immer mehr Menschen leben auf der Erde, immer mehr von ihnen zieht es in die Städte. Prognosen besagen, dass Städte wie Lagos in Zukunft so viele Menschen beher­bergen werden wie ganz Deutsch­land.

Damit geht ein enormes Problem einher: Wie lassen sich so viele Personen an einem Ort versorgen, unter­bringen, verwalten? Entwürfe von einer urbanen Zukunft müssen daher drin­gend reali­siert werden. Es gilt als gefähr­lich, den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen. Hier geht es darum, Utopien zu entwi­ckeln, die umge­setzt werden sollen.

Echte Zukunfts­musik: program­mier­bare Materie

Vom Zukunftsprag­ma­tismus zurück in die Welt der unglaub­li­chen Möglich­keiten. Stellen Sie sich vor, Ihr Sofa verwan­delt sich auf Knopf­druck in ein neues. Oder Sie laden eine Soft­ware herunter, die Ihrem Back­ofen neue Fähig­keiten (und neue Bauteile) verleiht. Das ist die Idee hinter program­mier­barer Materie. Im Gegen­satz zu den anderen Beispielen liegt die Umset­zung wohl in weiter Ferne. Erste Forschungen und Entwick­lungen zeigen jedoch, dass hier vieles möglich sein könnte. Notwen­dige Voraus­set­zung dafür wären Roboter in mikro­sko­pi­scher Größe …

Eine umfas­sende Utopie: Nano­tech­no­lo­gi­sie­rung

… und genau das ist der Anknüp­fungs­punkt zur nächsten Utopie: die stetige Verklei­ne­rung der Technik. Ein Beispiel, das jeder kennt: Vom Computer bis zum Mini-Laptop sind Spei­cher, Lauf­werke und Prozes­soren immer kleiner geworden. Bei der Nano­tech­no­logie wird es jedoch noch viel, viel kleiner.

Geforscht wird in diesem Bereich an fast allem: Nanoro­boter für die Behand­lung von Pati­enten, selbst­re­pa­rie­rende Ober­flä­chen, sich selbst repro­du­zie­rende Mikro­ma­schinen. Es ist anzu­nehmen, dass davon nicht alles Realität wird – aber einiges.

Orts­un­ab­hän­gige Arbeit

Utopien betreffen nicht nur Technik und Medizin. Auch gesell­schaft­lich gibt es viele span­nende Entwürfe für die Zukunft. Ein zentrales Thema hierbei ist die Entwick­lung der Arbeit. Wie arbeiten Menschen in 100 Jahren? Ein Trend ist der Abschied vom klas­si­schen Büro. Wenn irgend­wann einmal Holo-Konfe­renzen und Gedan­ken­über­tra­gung an den Computer möglich sein sollten – warum dann noch an einem zentralen Ort treffen, um gemeinsam zu arbeiten? Viel­leicht lösen solche Entwick­lungen auch andere Probleme, zum Beispiel die Hyper­ur­ba­ni­sie­rung. Wenn Menschen an jedem Ort der Welt alles machen können, ist es nicht nötig, in enger Nach­bar­schaft zu leben.

Utopien, die (höchst­wahr­schein­lich) ein Traum bleiben

Das war eine ganze Reihe von Beispielen für Utopien, die Wirk­lich­keit werden können. Aller­dings gibt es auch Träume, die wahr­schein­lich genau das bleiben werden. Auf die Gefahr hin, von der Zukunft eines Besseren belehrt zu werden, hier einige Beispiele für vermut­lich nie erfüll­bare Utopien.

Beamen: in Sekunden von Ort zu Ort

Beam me up, Scotty. Wer hatte noch nie den Traum, jetzt sofort an einen weit entfernten Ort zu reisen? Das Beamen soll genau das erlauben. Das Prinzip funk­tio­niert unge­fähr so: Materie wird in all ihre Einzel­teile zerlegt, in Form einer Welle mit Licht­ge­schwin­dig­keit trans­por­tiert und am Ziel wieder zusam­men­ge­setzt. So weit, so theo­re­tisch möglich. Aber: Nach den Gesetzen der Quan­ten­physik ist es nicht möglich, einzelne Elemen­tar­teil­chen zu markieren. Mit anderen Worten: Es gibt keinen Bauplan, nach dem die Milli­arden von Milli­arden von Milli­arden Einzel­teile wieder zusam­men­ge­setzt werden können. Das Reisen mit Licht­ge­schwin­dig­keit bleibt daher wohl ein Traum.

Gespräche mit Außer­ir­di­schen

Es ist nach Über­zeu­gung vieler Wissen­schaftler keine Frage, ob es Leben außer­halb der Erde gibt. Rein statis­tisch müsste es unzäh­lige Planeten wie die Erde geben. Es gibt sogar höchst offi­zi­elle Programme, um mit Lebe­wesen außer­halb des Sonnen­sys­tems in Kontakt zu treten. Ein promi­nentes Beispiel sind die Golden-Record-Schall­platten. An Bord der Raum­sonden Voyager 1 und Voyager 2 trans­por­tieren sie einen Einblick in die mensch­liche Kultur ins Weltall. Zudem funken verschie­dene Insti­tute entfernt gele­gene Sonnen­sys­teme an.

Das Problem bei all dem ist die Entfer­nung. Zum nächsten stel­laren Nach­barn der Sonne, Proxima Centauri, sind es immerhin 4,24 Licht­jahre. So würde es gute acht Jahre dauern, bis auf ein „Hallo“ ein „Auch hallo“ zurück­kommt. Zusätz­lich besteht beim Kontakt die Heraus­for­de­rung, die jeweils andere Sprache zu verstehen. Ein echtes Gespräch sieht anders aus.

Flie­gende Autos

Nun gut, tech­nisch ist es vermut­lich möglich, Autos zum Fliegen zu bringen, etwa mit der Konstruk­tion eines Hubschrau­bers. Die Vorstel­lung, dass der Stadt­ver­kehr zukünftig in drei Dimen­sionen fährt (oder besser fliegt), ist aus einem anderen Grund unwahr­schein­lich: das entste­hende Chaos. Wie gelangen die Autos von oben nach unten? Was passiert, wenn eines abstürzt? Das alles scheinen Heraus­for­de­rungen zu sein, die sich nicht lösen lassen. Und selbst wenn doch: Letzt­lich bleibt die Frage zu klären, ob der Ertrag den Einsatz recht­fer­tigt. Spätes­tens hier scheint das flie­gende Auto keine Option mehr zu sein.

Wie geht es weiter mit Utopien?

Welche Utopien werden Wirk­lich­keit? Das kann nur die Zeit zeigen. Was heute nach Zukunfts­musik klingt, mag in zehn Jahren schon Realität sein – viel­leicht aber auch erst in 100 Jahren. Daher ist der Begriff der rela­tiven Utopie sinn­voll. Entschei­dend für den Fort­schritt ist eins: Dass es über­haupt Utopien gibt.

Also keine Angst vor visio­nären Ideen! Nur mit ihnen lässt sich die Welt der Zukunft aktiv gestalten.


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