1. November 2022

Der ergo­no­mi­sche Arbeits­platz

Der Büro­ar­beits­platz gilt als Gesund­heits­ri­siko, da er zu wenig Bewe­gung bietet. Daher spielt die Ergo­nomie eines Arbeits­platzes eine wesent­liche Rolle für das Wohl­be­finden der Mitar­bei­tenden und ist kein Kosten­faktor, sondern eine Inves­ti­tion, die sich schnell bezahlt macht.

Zu viel Sitzen, zu wenig Bewe­gung: Das ist der Stan­dard bei Büro­ar­beits­plätzen. Um das Wohl­be­finden und die Gesund­heits­prä­ven­tion zu stei­gern, gilt es, Arbeits­plätze unter ergo­no­mi­schen Faktoren zu gestalten. Denn falsch ausge­stat­tete (Bildschirm-)Arbeitsplätze gelten als zentrale Ursache für durch Fehl­hal­tungen herbei­ge­führte Skelett- und Muskel­er­kran­kungen. Neben den unan­ge­nehmen Folgen für die Betrof­fenen sorgen Krank­heiten auch für nega­tive wirt­schaft­liche Folgen durch gesund­heit­liche Ausfälle. Daher ist die Inves­ti­tion in Arbeits­platz­ergo­nomie auch eine Inves­ti­tion in die wirt­schaft­liche Stabi­lität eines Unter­neh­mens.

Was ist Ergo­nomie?

Per Defi­ni­tion ist Ergo­nomie die Wissen­schaft von der Gesetz­mä­ßig­keit mensch­li­cher oder auto­ma­ti­sierter Arbeit. Ihr Ziel ist es, Arbeits­ab­läufe so zu gestalten, dass sowohl das Arbeits­er­gebnis optimal ist als auch eine möglichst geringe Ermü­dung und Schä­di­gung der arbei­tenden Menschen erfolgt.

Die Probleme des Büro­ar­beits­platzes

Spontan schätzen wir den Büro­ar­beits­platz als unge­fähr­lich ein. Man sitzt ja schließ­lich den ganzen Tag nur rum. Vergli­chen mit z. B. harten körper­li­chen Arbeiten vieler Hand­werks­be­rufe fühlt sich das Büro als entspannter Ort an, an dem wenig Risiko besteht, dass einem etwas auf den Kopf fällt oder die Hand abge­sägt wird. Und gerade darin liegt seine Tücke. Denn der Büro­ar­beits­platz bietet viele Gesund­heits­ri­siken, die sich aus langem Sitzen, Bewe­gungs­lo­sig­keit, einem schlechten Raum­klima oder einem zu hohen Lärm­pegel ergeben. Aber auch die psychi­sche Belas­tung, sowohl durch Stress als auch durch lang­wei­lige Routi­ne­auf­gaben, haben nega­tive gesund­heit­liche Auswir­kungen.

Raum­klima und Arbeits­um­ge­bung
Gebäude und Räume selbst können Krank­heiten auslösen. Das Sick-Buil­ding-Syndrom ist ein Beschwer­de­bild, dessen Symptome beim Betreten von Räumen und Gebäuden auftreten und beim Verlassen wieder verschwinden. Die Ursa­chen dafür können viel­fältig sein: Ausdüns­tungen, Werk­stoffe, Lacke, belas­tete Kliman­an­lagen etc. Auch das Raum­klima selbst hat Wirkung auf die Gesund­heit: zu heiß, zu kalt, zu wenig Lüftung etc. Dies alles kann zu Aller­gien, Übel­keit, Erkäl­tungen, Binde­haut­ent­zün­dungen etc. führen.

Langes Sitzen
Langes Sitzen ist die prägendste Eigen­schaft des Büro­ar­beits­platzes. Es ist Gift für den Kreis­lauf, verbraucht wenig Kalo­rien und hemmt den Stoff­wechsel. Dies stei­gert das Risiko von Herz-Kreis­lauf-Erkran­kungen oder von z. B. Diabetes. Die mangelnde Bewe­gung führt in den Gefäßen zu Blut­stau und verur­sacht Schwel­lungen oder Krampf­adern. Die stati­sche Sitz­hal­tung begüns­tigt zudem Band­schei­ben­vor­fälle.

Lärm­pegel
Lärm, wodurch auch immer verur­sacht, ob von Geräten, Druckern, Compu­tern, Menschen, wirkt sich erheb­lich auf die Konzen­tra­ti­ons­fä­hig­keit und das Wohl­be­finden von Menschen aus. Dies vermin­dert die Leis­tungs­be­reit­schaft und -fähig­keit.

Psychi­sche Faktoren
Psychi­sche Belas­tungen am Arbeits­platz sind viel­fältig: Stress, Kollegen- und Vorge­setz­ten­ver­halten; zu viel, aber auch zu wenig Arbeit; zu anstren­gende, aber auch zu lang­wei­lige Arbeit; zu viel, aber auch zu wenig Kommu­ni­ka­tion etc. All dies kann sich auf das Wohl­be­finden und die Leis­tungs­fä­hig­keit der Mitar­bei­tenden negativ auswirken. Das Tücki­sche bei psychi­schen Belas­tungen ist, dass sie schlei­chend kommen und ihre Ursa­chen häufig viel zu spät erkannt werden.

Schlecht einge­rich­tete Arbeits­plätze
Viele Büro­ar­beits­plätze sind nicht optimal einge­richtet: Dies fängt häufig bei Büro­stühlen an, die nicht nach gesund­heit­li­chen Aspekten gestaltet oder falsch einge­stellt sind, geht über Schreib­ti­sche mit falscher Höhe und endet bei schlechten und zu kleinen Bild­schirmen. An einer Stelle wird somit für ein ganz­heit­li­ches Beschwer­de­bild gesorgt: vom Rücken bis zu den Augen geht alles kaputt.

Arbeits­platz­ergo­nomie: kein Kosten-, sondern ein Erfolgs­faktor!

Alles schön und gut, aber was es kostet, das alles zu berück­sich­tigen! Das ist der falsche Ansatz. Rich­tiger ist die Frage, was es kostet, das alles nicht zu berück­sich­tigen. Denn uner­go­no­mi­sche Arbeits­plätze sind enorm kost­spielig. Sie führen zu einem höheren Krank­heits­stand und zu Abwe­sen­heit vom Arbeits­platz und sie führen zu einer schlech­teren Stim­mung der Mitar­bei­tenden in den Anwe­sen­heits­zeiten. Alles Faktoren, die sich auf die Produk­ti­vität und Leis­tungs­fä­hig­keit von Betrieben auswirken.

Die wesent­li­chen Vorteile einer posi­tiven Arbeits­platz­ergo­nomie sind:

  • weniger Ausfälle durch Krank­heit,
  • gestei­gerte Zufrie­den­heit, Moti­va­tion und Leis­tung der Mitar­bei­tenden,
  • Stei­ge­rung der Produk­ti­vität,
  • Stei­ge­rung der Qualität,
  • Redu­zie­rung von Fehlern,
  • Weniger Perso­nal­fluk­tua­tion.

Bei der Arbeits­platz­ergo­nomie vornehm­lich die Kosten zu sehen, ist betriebs­wirt­schaft­lich also falsch, da die Vorteile deut­lich über­wiegen und sich die Inves­ti­tionen schnell bezahlt machen.

Ergo­nomie ist indi­vi­duell

Je nach Betrieb und auch je nach einzelnen Mitar­bei­tenden ist Ergo­nomie nicht gleich Ergo­nomie. Die opti­malen Arbeits­be­din­gungen müssen indi­vi­duell ermit­telt werden. Sowohl vom Arbeit­geber anhand seiner Situa­tion als auch von dem betrof­fenen Mitar­bei­tenden. Daher sind Mitar­bei­tende in die Prozesse zur Arbeits­platz­ergo­nomie einzu­be­ziehen, bevor arbeit­ge­ber­seitig an den Bedürf­nissen der Betrof­fenen vorbei­geplant wird.

Nach­fol­gende Check­liste dient als Anhalts­punkt, um die eigene Situa­tion zu prüfen.

  • Verfügt jeder Arbeits­platz über eine Fläche von mindes­tens 10 m²?
  • Ist die Beleuch­tung ausrei­chend und richtig? Ist ausrei­chend Tages­licht vorhanden, sind die künst­li­chen Licht­quellen korrekt ausge­richtet?
  • Liegt die Raum­tem­pe­ratur bei ca. 21°C und liegt die rela­tive Luft­feuchte bei ca. 50 %?
  • Ist für ausrei­chend Lüftung gesorgt?
  • Sind ausrei­chend Pflanzen vorhanden?
  • Sind die Schreib­ti­sche an die Nutzer anpassbar, opti­ma­ler­weise von Sitz- auf Steh­ar­beits­platz umstellbar?
  • Sind die Schreib­tisch­stühle ergo­no­misch und auf die Nutzer indi­vi­duell anpassbar?
  • Entspre­chen Maus, Tastatur und Bild­schirm modernen Stan­dards? Ist der Bild­schirm mindes­tens 22 Zoll groß?
  • Ist der Lärm­pegel niedrig? Sind geräusch­arme Geräte in Verwen­dung? Sind die Ober­flä­chen von Wänden und Möbeln schall­ab­sor­bie­rend?
  • Wie sind die Rege­lungen bezüg­lich Arbeits­in­ten­sität, Arbeits­zeit und Pausen­ge­stal­tung?
  • Was gibt es für eine Bespre­chungs- und Abstim­mungs­kultur?
  • Gibt es störungs­freie Arbeits­phasen?
  • Gibt es Unter­stüt­zung für das Bewe­gungs- und Sport­ver­halten der Mitar­bei­tenden?

Die Liste ließe sich noch weiter­führen und bietet einen groben Anhalts­punkt für die Fragen, mit denen das Thema Arbeits­platz­ergo­nomie ange­gangen werden kann.

Ergo­nomie umsetzen

Zum Teil sind Ergo­no­mie­vor­gaben gesetz­lich gere­gelt. Die wich­tigsten Vorgaben sind:

  • die Arbeits­stät­ten­ver­ord­nung (ArbStättV),
  • das Arbeits­schutz­ge­setz (ArbSchG),
  • die Bild­schirm­ar­beits­ver­ord­nung (Bild­sch­arbV),
  • DIN EN ISO 9241 und DIN EN ISO 10075

Darüber hinaus können Sie jedoch an vielen weiteren Stell­schrauben drehen, die zwar nicht gesetz­lich gere­gelt sind, aber für Ihr Unter­nehmen erheb­liche Vorteile bringen.

Empfeh­lungen zur ergo­no­mi­schen Ausge­stal­tung von Arbeits­plätzen finden sich zahl­reich im Internet. So können Sie sich inspi­rieren lassen, welche Lösungen für Ihr Unter­nehmen passend und sinn­voll sind. Durch profes­sio­nelle Ergo­no­mie­be­rater können Sie sich auch kompe­tente externe Hilfe holen.

Nehmen Sie das Thema Arbeits­platz­ergo­nomie ernst und beginnen Sie noch heute, daran zu arbeiten. Ihre Mitar­bei­tenden und Ihre wirt­schaft­li­chen Kenn­zahlen werden es Ihnen Danken.


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